Hören

Wieder ganz Ohr

Von Svenja Runciman · 2015

Schwerhörigkeit schränkt das soziale Leben Betroffener stark ein.

Im Kampf gegen die Schwerhörigkeit sind Hörgeräte häufig unverzichtbar. Verbessertes Design und innovative Technologien sorgen bei der neuesten Generation für einen deutlich höheren Komfort.

Das Radio dröhnt so laut, dass die Nachbarn sich beschweren, im Strassenverkehr drohen erhebliche Gefahren, weil man heranfahrende Autos nicht hört – abnehmendes Hörvermögen bringt Einschränkungen des Wohlbefindens, aber auch allerlei Gefahren mit sich. Mehr als 750'000 Menschen in der Schweiz leiden unter einer Hör-einschränkung. Diese kann beispielsweise durch genetische Veranlagung entstehen, wenn jemand andauerndem Lärm ausgesetzt ist oder ein Schädeltrauma erlebt. Bei neun von zehn Betroffenen ist sie aber auf das Altern zurückzuführen. 

Negativer Einfluss durch Genussgifte

Ursache für die Altersschwerhörigkeit sind hauptsächlich alterungsbedingte Prozesse im Ohr, wie die Abnutzung der Haarsinneszellen. Es gibt zahlreiche Faktoren, die einen Einfluss darauf haben können, beispielsweise Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Durchblutungsstörungen. Oftmals haben Betroffene auch eine entsprechende genetische Veranlagung. Aber auch die Ernährung, Genussgifte wie Nikotin oder bestimmte Medikamente können sich negativ auf die Gesundheit des Corti-Organs im Innenohr auswirken. Typisch für die Altersschwerhörigkeit ist ein vermindertes Hörvermögen in den höheren Frequenzbereichen, was vom HNO-Arzt mithilfe eines Tonschwellenaudiogramms überprüft wird. Weitere Tests und gegebenenfalls bildgebende Verfahren geben Hinweise auf die Ursachen der Erkrankung, die dann über Therapie und Prognose entscheidet. 

An individuelle Bedürfnisse angepasst

Noch lässt sich das Hörvermögen bei altersbedingter Schwerhörigkeit nicht wiedergewinnen. Doch ein Hörgerät kann Abhilfe schaffen. Am Markt sind sowohl Geräte, die hinter dem als auch im Ohr sitzen. Einst häufig überdimensioniert, sind sie mittlerweile beinahe unsichtbar. Auch die Funktionalität der Geräte wurde immer weiter entwickelt. So ist es mittlerweile möglich, durch Verwendung der Bluetooth-Technologie akustische Signale von Fernseher oder Telefon weiterzuleiten. Neu am Markt sind dabei Geräte, die sich ohne zusätzliches Zubehör direkt mit dem Smartphone verbinden lassen. Mithilfe einer speziellen App können dabei Bass- und Hochtöne sowie die Lautstärke auf die jeweilige Umgebung und die individuellen Bedürfnisse angepasst werden. Allerdings verbrauchen diese neuen Möglichkeiten überdurchschnittlich viel Strom. Dem dadurch bedingten hohen Batterieverschleiss Einhalt gebieten sollen neuartige Akku-Geräte mit bis zu 18 Stunden Akku-Ladung. Diese bieten zudem den Vorteil, dass der für die älteren Benutzer häufig mühsame Batteriewechsel entfällt. Vorteilhaft bei der Anpassung aller Hörgeräte ist ein Hörtraining, bei dem der Betroffene an das veränderte Hören mit dem Gerät gewöhnt wird und Strategien entwickelt, um sein Hörvermögen in der Kommunikation mit seiner Umgebung optimal zu nutzen.

Ausblick in die Zukunft

Falls die sprachliche Verständigung trotz Hörgerät nicht mehr möglich ist, kann eine Innenohrprothese – ein so genanntes Chochleaimplantat – in Erwägung gezogen werden, das die Funktion des Hörorgans übernimmt. Hoffnung machen auch Forschungsberichte aus den USA: Dort gelang es Wissenschaftlern des «Massachusetts Eye-and-Ear»-Krankenhauses und der Harvard Medical School, mithilfe eines Enzymblockers das Hörvermögen von tauben Mäusen zu regenerieren. Auch wenn dieses Experiment bislang nur an Nagern durchgeführt wurde – in Zukunft könnte es Millionen von Menschen helfen.