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Fachbeitrag

Urinverlust muss nicht sein

Von Prof. Dr. med. Volker Viereck, Spital Thurgau AG · 2017

Nach individuell angepasster Therapie: Springen ohne Probleme

Welche Gründe es für eine Belastungsinkontinenz gibt und mit welchen Therapien man wieder unbeschwert lachen, husten, niesen und springen kann.

Wir reden von einer Belastungsinkontinenz, dem lästigen Urinverlust beim Husten, Niesen, Lachen oder körperlichen Belastungen. Dabei öffnet sich die Harnröhre ganz schnell, ohne dass dies verhindert werden kann. Es spritzt Urin. Bei leichter Belastungsinkontinenz sind es nur wenige Tropfen, bei schwerer ein ganzer Schwall. Eine Belastungsinkontinenz kann in jedem Alter auftreten.

Drei Gründe für Belastungsinkontinenz

Bei der Muskelschwäche des Beckenbodens ist das Beckenbodentraining die erfolgreichste nicht-operative Therapie. Speziell geschulte Physiotherapeuten zeigen, wie die Beckenbodenmuskeln wieder aufgebaut und bei Belastungen reflexartig angespannt werden können. Zwei von drei Frauen können dies problemlos, bei jeder dritten Frau funktioniert dieser Reflex nicht (mehr). Dann muss er wieder erlernt und eingeübt werden. Anfangs können Trainingsgeräte wie Elektrostimulationen und Ganzkörper-Vibrationstherapie mit dem Galileo-Gerät sehr hilfreich sein. Für den Langzeiterfolg ist wichtig, dass die Übungen regelmässig fortgesetzt werden.

Gewebeabbau und sehr dünne Schleimhäute sind die häufigsten Ursachen der Belastungsinkontinenz nach den Wechseljahren. Grund ist der Abfall des weiblichen Hormons, des Östrogens, im Blut. Daher ist die erfolgreichste Behandlung ein Wiederaufbau der Schleimhaut und des Binde- und Muskelgewebes durch Gabe der fehlenden natürlichen körperidentischen Hormone, entweder lokal als Creme oder systemisch als sogenannte «Good-Aging»-Therapie. Mit der Ganzkörper-Hormonzufuhr werden zusätzlich auch Osteoporose, Kopfhaarverlust und andere Alterungsprozesse hinausgezögert.

Die dritte mögliche Ursache ist die Bindegewebeschwäche sowie eine Erschlaffung der Aufhängebänder der Harnröhre. Bei körperlicher Belastung öffnet sich die Harnröhre trichterförmig und Urin geht ab. Da sich Bindegewebe durch Beckenbodentraining nicht aufbauen lässt, ist die Einlage des feinen TVT-Bandes exakt an der Stelle, wo das körpereigene Band erschlafft ist, die spezifische operative Therapie der Inkontinenz.

Erster Schritt: konservative Therapien

Die Behandlung der Belastungsinkontinenz beginnt immer konservativ. Die wirkungsvollste Sofortbehandlung ist die Einlage eines individuell angepassten Pessars. Häufig wählen wir Wegwerf- oder Silikonpessare, die am Morgen oder vor dem Sport eingelegt und später wieder herausgenommen werden. Als Gleitmittel dient eine Hormoncreme, die auch hilft, das Gewebe rasch aufzubauen. Zusätzlich empfehlen wir auch ein Beckenbodentraining. Geht nach drei Monaten kein Urin mehr verloren, ist die Belastungsinkontinenz geheilt.

Einlage eines TVT-Bandes

Wenn aber immer noch Urinspritzer abgehen, empfehlen wir zur Heilung eine TVT-Bandeinlage. Diese Operation ist anspruchsvoll, da eine optimale Platzierung des Bandes für den Erfolg erforderlich ist. Bei guter Operationstechnik liegt die Heilungsrate bei über 90 Prozent.

Lebensfreude in jedem Alter

Umspritzung der Harnröhre

Alternativ zur TVT-Bandeinlage gibt es zwei weitere, weniger invasive Operationstechniken zur Behandlung der Belastungsinkontinenz, nämlich die Umspritzung der Harnröhre mit einer Füllsubstanz, zum Beispiel mit einem transparenten Hydrogel, und ganz neu die Lasertherapie zur Stimulierung der Bindegewebsneubildung im Bereich von Scheide und Harnröhre.

Unter Lokalanästhesie werden drei Depots des transparenten Hydrogels in die Harnröhre gespritzt. Dadurch wird der Schliessmechanismus verbessert und die Patientin ist kontinent. Die Verbesserungs- und Heilungsraten liegen bei bis zu 80 Prozent und die Komplikationsraten sind sehr niedrig. Diese Behandlung ist deshalb geeignet für Patientinnen, die aus verschiedenen Gründen eine minimalst invasive Therapie wünschen. Dazu gehören auch ältere Patientinnen mit komplizierten schwerwiegenden Begleiterkrankungen und eingeschränkter Narkosefähigkeit.

Laser bei leichter und mittlerer Belastungsinkontinenz

Die Lasertherapie kann ambulant durchgeführt werden. Zwei bis drei Behandlungen à 30 Minuten genügen, um eine Heilung oder Verbesserung der Inkontinenz zu erreichen. Besonders geeignet für diese Therapie sind junge Frauen mit einer leichten bis mittleren Belastungsinkontinenz, zum Beispiel nach Geburt bei noch bestehendem Kinderwunsch. Die Wirkung der Lasertherapie wird derzeit in Frauenfeld im Rahmen einer europäischen Studie genauer untersucht.

Zum Autor

Prof. Dr. med. Volker Viereck
Co-Chefarzt Frauenklinik
Chefarzt Urogynäkologie

Blasen- und Becken­bodenzentrum
Kantonsspital Frauenfeld, Spital Thurgau AG

www.stgag.ch
www.blasenzentrum-frauenfeld.ch