Autofahren im Alter

Senioren am Steuer: Sicherheit geht vor

Von Nadine Effert · 2015

Wenige Stunden Fahrtaining verbessern die Sicherheit beim Autofahren nachweislich.

Selbst Auto fahren, das bedeutet für viele Menschen auch ab 70 plus Lebensqualität. Die Fahreignung prüft der Hausarzt, dabei könnten Fahrstunden nützlicher sein.

Auf unseren Strassen sind aktuell mehr als 800'000 Männer und Frauen, die 70 Jahre oder älter sind, unterwegs. Für sie gilt: Alle zwei Jahre ab zum Hausarzt, um ihre gesundheitliche Fahrtüchtigkeit unter Beweis stellen. Für viele Senioren wird diese Angelegenheit zur Zitterpartie, haben sie doch zu befürchten, ihre Mobilität auf vier Rädern zu verlieren. Wer die Mindestanforderungen nicht erfüllt, muss seinen Fahrausweis abgeben. Wie die Senioren Auto fahren, ist allerdings kein Thema, schliesslich kann der Arzt schlecht eine Probefahrt mit seinen Patienten unternehmen. Wäre es daher nicht sinnvoll(er), einen Fahrtest oder ein paar Fahrstunden zu absolvieren? 

Praxis auf dem Prüfstand

Im Rahmen einer Studie aus Deutschland vom Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung haben 92 Senioren im Alter von über 70 Jahren innerhalb weniger Wochen 15 Fahrstunden absolviert. Das Ergebnis: Dank den Fahrtrainings fuhren sie wieder so sicher wie die 40- bis 50-Jährigen aus einer Vergleichsgruppe. In der Schweiz gibt es speziell auf Senioren ausgerichtete Kurse – wie etwa Auffrischungskurse, Fahrsicherheits- oder Schleudertrainings –, die von diversen Fahrschulen, verschiedenen Organisationen wie Pro Senectute oder des Touring Clubs Schweiz angeboten werden. Allerdings basiert die Teilnahme auf Freiwilligkeit, eine gesetzliche Regelung zur Auffrischung der Fahrkenntnisse für Senioren gibt es (bislang) nicht. 

Neue Regeln ab 2016

Jedoch treten Mitte März 2016 neue Regeln der medizinischen «Fahreignungsabklärungen» in Kraft, die auf dem Programm Via sicura  fussen, welche der Bundesrat 2010 lanciert hat, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Mit einer wirklichen Verschärfung muss nicht gerechnet werden, denn die meisten «medizinischen Mindestanforderungen» wurden gemäss den EU-Anforderungen nach unten angepasst. Beispiel: Anstatt einem Gesichtsfeld von 140 Grad müssen dann nur noch 120 Grad überblickt werden. Und: Die Chance, weiterhin hinters Steuer zu dürfen, wird dann nicht mehr abhängig sein vom Kanton, in dem man wohnt.