Inkontinenz

Ein starker Beckenboden gibt Sicherheit

Von Tobias Lemser · 2017

Eine Inkontinenz kann zu peinlichen Situationen führen, daher sollte man den Gang zum Arzt nicht scheuen.

Harninkontinenz gehört zu den häufigsten urologischen Beschwerden im Alter – ein Problem, das beide Geschlechter angeht und in den meisten Fällen gut in den Griff zu bekommen ist.

Den Urin nicht mehr halten zu können, ist eine Begleiterscheinung des Alterns, die viele Menschen kennen. Insbesondere Frauen haben im Laufe ihres Lebens mit Blasenschwäche zu kämpfen. Auslöser für ein paar Tröpfchen Urin im Slip können explosionsartige Niesattacken, Husten oder das Heben schwerer Lasten sein – vor allem dann, wenn eine Belastungsinkontinenz diagnostiziert wurde. Fast immer steckt eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur dahinter.

Ursache: nachgebendes Bindegewebe

Grösste Risikofaktoren, die das Gewebe des Beckenbodens strapazieren können, sind Übergewicht, Unterleibsoperationen und körperliche Belastungen. Aber auch durch Geburten, wenn sich die Gebärmutter und andere Beckenorgane absenken, kann der Verschlussmechanismus der Blase beeinträchtigt werden. Rund ein Viertel aller Frauen zwischen 25 und 35 Jahren klagt kurzzeitig über eine Blasenschwäche. Vor allem stillenden Müttern ist das Phänomen bekannt, da die Muskulatur durch die Stillhormone weich gehalten wird. Damit sich daraus keine dauerhafte Inkontinenz bis ins Alter entwickelt, ist es wichtig, die Beckenbodenmuskulatur – idealerweise schon vor der Geburt – zu stärken. Dass ein gut trainierter Beckenboden auch in späteren Jahren Belastungsinkontinenz vorbeugt, belegten im Jahr 2015 Wissenschaftler des Cochrane-Instituts. Wie die Auswertung mehrerer Studien verdeutlicht, wurden durch das Training achtmal mehr Frauen beschwerdefrei. Um die Blasenschwäche erfolgreich zu lindern, raten die Experten, den Beckenboden zunächst über mindestens ein Vierteljahr unter fachlicher Anleitung und darüber hinaus in Eigenregie zu trainieren.

Harninkontinenz nach Operation an der Prostata

Auch wenn die Ursachen bei Männern anders gelagert sind, ist auch ihnen das Thema Inkontinenz nicht fremd, insbesondere nach einer radikalen Entfernung der Prostata. Für fast jeden Zweiten wird diese gefürchtete Nebenwirkung direkt nach der OP Realität. Allerdings kann das Ausmass der Inkontinenz unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Es reicht von einigen Tropfen Harnverlust bei körperlicher Anstrengung bis hin zu permanentem Harnverlust. Was also tun? Vielfach hilft auch hier, die Beschwerden mithilfe von Beckenbodentraining oder Medikamenten zu behandeln. Wird auf diese Weise – wie bei etwa zehn Prozent der Betroffenen – keine Besserung erzielt, können in leichten bis mittelschweren Fällen Silikonballons zum Einsatz kommen. Bei diesem minimal-invasiven Verfahren werden zwei kleine, neben der Harnröhre platzierte Silikonballons von aussen mit Flüssigkeit befüllt. Durch deren Widerstand wird die Harnröhre zusammengedrückt und es kommt zu keinem oder wenig unwillkürlichem Harnverlust. Um die Blase zu entleeren, reicht der normale Blasendruck aus.

Künstlicher Schliessmuskel löst Problem

Liegt eine schwere Inkontinenz vor, kann einzig die Implantation eines künstlichen Schliessmuskels die Lösung bringen. Dieser besteht aus einer winzigen Pumpe, einem Flüssigkeitsreservoir und einer Manschette, die um die Harnröhre ge­wickelt und mit Flüssig­keit befüllt wird. Bei Entleerung der Harnblase muss der Patient einen Pumpenschalter am Hoden drücken. Dabei entweicht die Flüssigkeit aus der Manschette und fliesst in das Reservoir. So wird die Blockierung aufgehoben und der Urin kann abfliessen. Dank dieser Methode lassen sich laut aktuellen Studien Kontinenzraten von mehr als 90 Prozent erzielen. Fest steht: Auch wenn Inkontinenz ein Tabu-Thema ist, sollten die Betroffenen zur Verbesserung der Lebensqualität offen mit dem Hausarzt darüber reden und entsprechende Therapien angehen.

Wie man Inkontinenz vorbeugen kann

1. Stärken Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur.

2. Reduzieren Sie zur Entlastung des Becken-bodens Ihr Gewicht.

3. Achten Sie auf die richtige Körperhaltung. Rückenschonende Bewegungen sind auch für den Beckenboden gut.

4. Treiben Sie regelmässig Sport. Körperliche -Fitness, aber auch Entspannungstechniken tun Ihrer Blase gut.

5. Trinken Sie zwei Liter pro Tag, um sich vor Blasen-steinen und Harnwegsinfektionen zu schützen.

6. Trainieren Sie Ihre Blase. So vergrössern Sie bei Dranginkontinenz die Abstände zwischen den Toilettengängen. 

                                                                                                                                                                Quelle: BGV Info Gesundheit e. V.