Nachlassplanung

Damit das Erbe an der richtigen Stelle ankommt

Von Tobias Lemser · 2016

Ein eigenständig erstelltes Testament muss handschriftlich verfasst sein und mit Datum und Unterschrift versehen werden.

Richtig zu vererben, ist keine einfache Angelegenheit. Um sicherzugehen, dass Ihr Vermögen wunschgemäss verteilt wird, ist es ratsam – idealerweise mithilfe eines Notars – ein Testament zu verfassen.

Nie war unser Leben schnelllebiger als heute. Kinder, Beruf, Haushalt und Privatleben – beinahe jeder Tag ist von morgens bis abends verplant. Da den Alltag im Griff zu behalten ist nicht immer leicht. Für Gedanken wie über die Zeit nach dem eigenen Tod bleibt da meist kein Platz. Ganz abgesehen davon, dass es vielen ohnehin äusserst schwer fällt, darüber nachzudenken, wie es mit unseren Lieben nach dem eigenen Ableben weitergeht. 

Nachlassplanung gibt Sicherheit

Oftmals erst zum Zeitpunkt der Pensionierung oder kurz davor überlegen die meisten von uns genauer, wie sie ihren Nachlass nach dem Tod verteilen möchten. Wann der richtige Moment für ein Testament ist, lässt sich nicht genau beziffern. Auch wenn es unangenehm ist, über den Tod zu sprechen, raten Notare, um Erbstreitereien aus dem Weg zu gehen, dazu, den Nachlass rechtzeitig, also genau dann testamentarisch zu regeln, wenn man irgendetwas zu vererben hat.
Doch was bedeutet Nachlassplanung überhaupt und was ist wichtig zu wissen? Fakt ist: Darunter ist die gesamtheitliche Planung des Vermögensübergangs von einer Person auf die nächste Generation zu verstehen. Generell gilt es, zwischen dem Testament und dem Erbvertrag zu unterscheiden. Während der Erblasser mithilfe des Testaments einseitige, jederzeit widerrufbare Anordnungen über seinen Nachlass treffen kann, trifft er mittels Erbvertrag dagegen mit einer Person rechtsverbindliche Abmachungen über den Nachlass.

Testament bei kniffligen Verhältnissen

Zwar sieht das Schweizer Erbrecht klare Regelungen vor und wer die gesetzliche Erbfolge sowie die Pflichtteilzuordnung akzeptiert, kann auf ein Testament verzichten. Allerdings sollte der Nachlass insbesondere dann klipp und klar geregelt werden, wenn die Vermögensverhältnisse kompliziert sind und es Sonderregelungen gibt, die von der gesetzlichen Erbfolge abweichen. 
Sogar zwingend notwendig ist es, ein Testament zu verfassen, wenn Erbbegünstigten mehr als der gesetzliche Pflichtteil zugesprochen werden soll oder wenn es keine gesetzlichen Erben gibt. Zudem lässt sich mithilfe eines Testaments verhindern, dass hinterbliebene Ehepartner in finanzielle Schwierigkeiten kommen und gar Wohn-immobilien abstossen oder den Lebensstandard einschränken müssen. 

Auf die Form kommt es an

Um eventuelle Streitigkeiten unter den Erben und zusätzliche finanzielle Aufwendungen zu vermeiden, sollten einige wichtige Formalitäten beachtet werden. Denn nicht nur die Pflichtanteile für Partner und Kinder sollte man im Blick haben, auch sieht das Gesetz Formvorschriften vor. Denn wer ein Testament eigenständig erstellt, muss es handschriftlich verfassen und mit Datum und Unterschrift versehen. Darüber hinaus müssen alle vorherigen Testamente für ungültig erklärt werden. 
Um sichergehen zu können, dass das Testament im Todesfall sofort zur Verfügung steht, ist es allerdings sinnvoll, handschriftlich verfasste Testamente bei einem Notar zu hinterlegen. Ebenso möglich ist es, ein Testament öffentlich von einem Beamten oder einem Notar unter der Mitwirkung von zwei Zeugen erstellen zu lassen. Während das eigenständige Testament kostenlos ist, können die Kosten beim öffentlichen Testament für einen Testamententwurf inklusive Beratung abhängig von Aufwand und Vermögen bis zu 2'000 Schweizer Franken betragen.
Versäumen es Erblasser vor dem Tod exakt festzulegen, wie der Nachlass verteilt werden soll, wird das hinterbliebene Vermögen gemäss der gesetzlichen Erbfolge verteilt. Dabei richtet sich die Begünstigung nicht danach, wie nahe jemand der verstorbenen Person stand, sondern ausschliesslich nach dem Verwandtschaftsgrad.

Mit Testamentsspenden etwas Gutes tun

Doch welche Möglichkeiten gibt es, wenn keine Erben vorhanden sind oder man seine Hinterlassenschaften anderweitig vererben will? Für diesen Fall bieten sich sogenannte Testamentsspenden an, mithilfe derer Verstorbene weltweit den Menschen unter die Arme greifen können, die finanziell oder gesundheitlich in Not sind und auf Unterstützung angewiesen sind. Damit die Hilfe auch ankommt, ist es beispielsweise möglich, einer Stiftung oder Organisation einen fixen Betrag, einen Vermögensanteil oder bestimmte Sachwerte, wie beispielsweise Immobilien, Wertpapiere, Kunstwerke oder andere Wertsachen zu überschreiben. Das kommt nicht nur den Bedürftigen zugute, sondern trägt dazu bei, dass Verstorbene über ihren Tod hinaus hilfreiche Spuren in dieser Welt hinterlassen.